„AVENGERS: INFINITY WAR“ – Ein experimenteller Blockbuster

Wenn man ein Fan von Scifi-und-Fantasygeschichten ist, kommt irgendwann der unvermeidliche Moment, wo man mit der unwiderstehlichen Qualität, von amerikanischen Comics konfrontiert wird. Für mich war dieser Moment 2008, als Iron Man und The Dark Knight, innerhalb weniger Monate in die Kinos kamen. Beide Filme haben immensen Eindruck bei mir hinterlassen, der noch heute mein kreatives Schaffen prägt. Zehn Jahre später, nachdem Nick Fury zum ersten Mal in einer Post-Credit-Scene (die Szene nach den Abspann) auftauchte und Tony Stark auf die „Avengers-Initiative“ aufmerksam machte, kulminieren insgesamt 18 Filme, in einem noch nie dagewesenen Projekt: AVENGERS: INFINITY WAR! Das Megacrossover hat den wahnsinnigen Titanen Thanos, als Antagonist, der alle sechs Infinity Steine einsammeln will, um damit seinen perfiden Plan in die Tat umsetzen zu können. Denn mit allen sechs Steinen, hätte er die Macht eines Gottes und könnte so mit einem einfachen Fingerschnipp dem ganzen Universum seinen Willen aufzwingen. Um Das zu verhindern, müssen alle Helden zusammenarbeiten, doch selbst dann, sieht die Lage noch sehr düster aus.

Da ich seit gut 10 Jahren großer Fan des Marvel Cinematic Universes (MCU) bin, muss ich mir einfach ein paar Sachen zu Infinity War (IW) von der Seele schreiben und möchte erklären, warum ich glaube, dass IW einer der gewagtesten Blockbuster aller Zeiten ist. Seid gewarnt! Ich werde Spoiler behandeln, also nicht weiterlesen, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt.

SPOILERWARNUNG!

Okay, fangen wir an. Um Thanos im Film zu verstehen, muss man seine Comichistorie nicht kennen, doch ich werde sie trotzdem kurz erklären, um euch eine neue Perspektive zu verschaffen. Der Comiccharakter Thanos wurde von Autor/Künstler Jim Starlin kreiert und debütierte im Februar 1973 in Iron Man (Ausgabe) #55. Schon damals gab es Konzepte, die das Motiv der Infinity Steine behandelten, doch Jim Starlin sollte das erst 1991 mit Infinity Gauntlet verwirklichen können. In der Welt der Comics gibt es, ungefähr jährlich, ein Riesenevent, bei dem alle Helden eines Universums, sei es Marvel oder DC, zusammenarbeiten müssen, um eine größere Bedrohung zu stoppen. Dieses Event bekommt dann eine eigene Miniserie, während in den eigenen Heften der einzelnen Helden, eine Story um das Event herum erzählt wird. Im Grunde kann man das im Kinouniversum mit den Solofilmen vergleichen, die dann in den Avengersfilmen zusammenfinden. Von diesen Events hat es in der Comicgeschichte schon viele gegeben, die auch für’s Kino schon adaptiert wurden, Civil War wäre so ein Beispiel und Infinity War jetzt eben auch. Wenn auch mit leicht geändertem Titel.

Doch war die Handlung 1:1 wie in der Comicvorlage? Die Antwort darauf ist nein, weil es sich zunächst einmal um verschiedene Medien handelt, die unterschiedliche Erzählstrukturen haben. Schon deswegen müssen dort Abstriche gemacht werden und das zeigt sich am besten in Thanos‘ Motivation, die doch drastisch verändert wurde. Im Comic ist Thanos nämlich in Mistress Death verliebt, die kosmische Personifikation des Todes… Ja, ihr hört richtig. Um ihr seine Liebe zu beweisen, verspricht er Mistress Death das halbe Universum zu töten, eben mithilfe der Infinity Steine. Im Film wird Mistress Death nicht mal erwähnt. Stattdessen gibt man Thanos eine zutiefst menschliche Motivation, die man versteht, jedoch nicht gutheißen kann. Er musste miterleben, wie seine Heimat, der Saturnmond Titan, aufgrund von Überbevölkerung und limitierter Ressourcen zerstört wurde. Er bot der Führungsriege des Volkes einen Ausweg vor: die Hälfte der Bevölkerung zu töten, damit die andere Hälfte leben kann. Sein Motiv war keineswegs böse, nur der Weg war abstoßend. Und wenn man betrachtet, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befinden, wo Ressourcen immer begrenzter werden, ist das für einen Superheldenfilm doch sehr tiefsinnig. Aber das funktioniert nur, weil Thanos als Antagonist so verdammt gut daherkommt. Die Spezialeffekte, aus denen Thanos zu 99% besteht, sind so gut wie selten zuvor, dass man nicht daran zweifelt, dass Thanos echt ist. Das liegt auch größtenteils an der Performance von Josh Brolin, der dem lilanen Titanen, die Gesichtszüge verleiht und eine vielschichtige Darstellung abliefert. Thanos ist einer der besten Comic-Bösewichte, die man je auf der großen Leinwand gesehen hat, gerade weil er der Fokus der Story und fast schon der Hauptcharakter war.

Avengers: Infinity War ist, meiner Meinung nach, der erste Film im MCU, der ganz klar vom Publikum verlangt, vorangegangene Filme gesehen zu haben. Das bedeutet zugleich, dass sporadische Fans und Neueinsteiger sowieso, ihre Probleme haben werden. Klar, alles wird erklärt, dass man der Story auch als Neuling folgen könnte, doch kleine Hinweise und Referenzen zu anderen Filmen durchziehen das ganze Epos und die emotionale Bindung, die man zu all den Charakteren hat, ist verstärkt, wenn man jeden Teil gesehen hat. Das ist auch einer Kritikpunkte, die sich das Regieduo Anthony und Joe Russo gefallen lassen müssen. Doch klar ist auch, dass das genauso beabsichtigt war, die Hardcore so zu belohnen. Wie schon gesagt, IW ist ein experimenteller Film, der ähnlich wie ein Staffelfinale von einer Fernsehserie funktioniert. Comics sind wie Seifenopern, die niemals enden und auch im Filmuniversum scheint man das ganze, wie eine Serie zu behandeln. Die Avengersfilme dienen als quasi Finale der einzelnen Staffeln oder „Phasen“, wie sie in der Branche genannt werden. Und so wie man nicht einfach in der Mitte einer Serie einsteigt, sollte man das auch nicht mit IW tun. Doch wenn man das trotzdem macht, welche Filme sollte man unbedingt gesehen haben? Meiner Meinung nach sind die vorangegangenen Avengersfilme auf jeden Fall Pflicht, dazu zähle ich auch Captain America: Civil War, was quasi Avengers 2.5 ist. Dazu kommen noch die beiden Guardians of the Galaxy Teile, Doctor Strange, Thor: Ragnarök und Black Panther. Die Ereignisse dieser Filme haben alle direkte Konsequenzen auf IW. Ich bin überzeugt, dass man IW auch sicher alleinstehend schätzen kann, die Funktion der Infinity Steine wird ausreichend erklärt, usw., aber es wird nicht jedem Charakter die gleiche Komplexität innerhalb des Filmes gegeben, weil dazu einfach die Zeit fehlt und man davon ausgeht, dass das bereits ausreichend in anderen Filmen getan wurde. Ein Beispiel solcher Charaktere sind Black Panther, Black Widow und sogar Captain America. Im Fokus stehen stattdessen Charaktere, die direkt mit den Infinity Steinen zu tun haben, bzw. die kosmischen Charaktere des MCU, wie z.B. Thor oder die Guardians, Doctor Strange und Iron Man, die zusammenarbeiten oder Wanda und Vision, die das tragische Liebespaar spielen.

Ganze 6 Jahre ist es her, seitdem wir Thanos zum ersten Mal nach dem Abspann The Avengers gesehen haben und impliziert wurde, dass noch größere Kämpfe am auf dem Weg waren. Loki war nur der Vorbote, der von Thanos für seine Zwecke benutzt wurde. All das haben wir Autor und Regisseur Joss Whedon zu verdanken, der Thanos in Filmmythologie von Marvel einführte und uns Infinity War indirekt bescherte. Klar gibt es Dinge, die man legitimerweise an IW kritisieren kann. Zum Beispiel, dass er nur als halber Film daherkommt, weil er mit einem fiesen Cliffhanger daherkommt. Andere Filme, die das gemacht haben sind z.B. Das Imperium schlägt zurück, oder Herr der Ringe: die Gefährten. Der Unterschied ist nur, dass die genannten Beispiele auch in sich geschlossen funktionieren, weil sie Charakterbögen anfangen und auch abschließen, ohne das auf folgende Filme zu verschieben. Klar werden Motive und Charakterbögen in den Fortsetzungen erweitert, aber eben nicht komplett verschoben. Diesen Vorwurf muss sich IW gefallen lassen und man wird sehen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, die ganze Geschichte in einem 3 1/2 stundenlangen Film zu verpacken, anstatt ihn in zwei Teile zu splitten. Ich persönlich lechzte schon nach den Tagen, wo man IW und Avengers 4 im Double Feature auf Blu Ray schauen kann.

Das Ende, worüber die meisten Leute reden, muss ich natürlich auch noch behandeln. Den im Gegensatz zu vielen anderen Superheldenfilmen, endet IW mit einem richtig emotionalen Tiefpunkt. Thanos hat alle sechs Infinity Steine beisammen und macht den ikonischen Fingerschnipp. Ein paar Momente später löst sich die Hälfte der Lebewesen des Universums in Staub auf und hören auf zu existieren. Darunter befinden sich auch große Kaliber, wie Black Panther, Spider Man und die Guardians. Besonders der „Tod“ von Spidey hinterlässt einen bleibenden, emotionalen Eindruck. Und ja, ich weiß, die Mehrheit der in Staub aufgegangenen Charaktere wird höchstwahrscheinlich zurückkehren. Trotzdem genieße ich das Ende als Momentaufnahme, ohne zu denken was passieren wird oder könnte. Vielmehr schwimme ich meinen Gedanken dieser „WTF“ -Reaktion, die wohl viele bei dem Ende gehabt haben.  Jetzt gibt es die Theorie, dass alle, die vor dem Fingerschnipp gestorben sind (Loki, Heimdall, Gamora) auch wirklich tot sind und alle, die danach noch leben, sollten sie im späteren Verlauf noch sterben, ebenfalls tot bleiben. Nun wissen wir aus den Comics, dass ein Charakter nie wirklich tot ist und immer wieder auferstehen kann. Doch in den Filmen ist es anders, weil es eben Schauspieler sind, die einen Vertrag zu erfüllen haben und wenn dieser ausläuft, kann das schon mal das Ende bedeuten. Fragezeichen stehen vor allem hinter Robert Downey Jr., Chris Evans und Chris Hemsworth. Ich selbst bin überzeugt, dass mindestens einer von Ihnen endgültig das Zeitliche segnen wird, wenn nicht sogar alle drei. Sicher für mich ist, dass es Konsequenzen geben muss, denn es wäre einfach ein Betrug an der Story, sollte am Ende von Avengers 4 alles gut und jeder wieder am Leben sein, als ob nichts passiert wäre. Ich glaube nicht, dass das passieren wird und hoffe auf ein bedeutungsvolles Ende dieser immensen Geschichte.

Das war’s auch schon wieder. Es ist ein bisschen länger geraten, als ihr es sonst von mir gewohnt seid, aber das Thema lässt die Worte nur so aus mir heraus quillen. Ihr könnt mir gerne in den Kommentaren sagen, was ihr von Avengers: Infinity War gehalten habt. Macht’s gut!

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