Olympia Spezial – Inspirierende Persönlichkeiten: Die Legende der „Cool Runnings“

Am morgigen Sonntag gehen die olympischen Winterspiele von Pyeongchang offiziell zu Ende und da hab ich mich entschieden, über eine der schönsten Geschichten der olympischen Neuzeit, die jeder von uns kennt, zu schreiben. Cool Runnings, ein zuckersüßer Disneyfilm, erzählt das unerwartete Abenteuer, der vier jamaikanischen Bobfahrer Derice, Sanka, Junior und Yul, die 1988 bei den olympischen Winterspielen von Calgary, völlig überraschend die Qualifikation geschafft haben. Auch wenn sich der Film künstlerische Freiheiten nimmt, ist der Kern der Geschichte die Wahrheit. Und damit werden wir uns heute beschäftigen.

Begonnen hat alles mit der Idee des amerikanischen Geschäftsmannes George Fitch, der die Ähnlichkeiten zwischen den allseits auf Jamaika beliebten Seifenkistenrennen und dem Bobfahren erkannte. Von da an war es sein Traum ein jamaikanisches Bobteam zu den olympischen Spielen zu schicken. Er versuchte zuerst Sprinter von seiner Idee zu überzeugen, da er glaubte, dass der wichtige Teil des Starts, so am besten abgedeckt werden konnte, doch erst, als er sich dem jamaikanischen Militär zuwandte, fand er die Männer für seinen Viererbob: Dudley Stokes, Devon Harris, Michael White und Caswell Allen. Das war im Oktober 1987, knapp 5 Monate(!) vor den Spielen in Calgary.

Dennoch schaffte es Fitch, das Quartett auf Vordermann zu bringen und besorgte ihnen, in Zusammenarbeit mit dem jamaikanischen olympischen Komitee, einen eigenen Bob und Uniformen, die den vollen Stolz der jamaikanischen Landesfarben repräsentierten. Dudley Stokes und Michael White nahmen auch im Zweierbob Teil und belegten sensationell den 30. von insgesamt 41. Plätzen. Sie waren überhaupt die ersten zwei Jamaikaner, die an olympischen Winterspielen teilgenommen haben.

Im Training für den Viererbob, verletzte sich Caswell Allen und konnte nicht starten, was den olympischen Traum der Jamaikaner bedrohte. Doch der Bruder des Piloten, Chris Stokes, war in Kanada anwesend, um das Team anzufeuern und ersetzte Allen, obwohl er nie zuvor in einem Bob gesessen hatte. Der jamaikanische Viererbob eroberte die Herzen von tausenden Fans, stürzte jedoch im 2. Lauf und belegte somit den letzten Platz im Klassement. Trotzdem schoben die Stokes Brüder, Devon Harris und Michael White ihren Bob ins Ziel und verkörperten somit den Leitspruch von Olympia: „Dabei sein ist alles“

Seitdem pflegten die Jamaikaner eine liebevolleTradition im Bobfahren. Auch 30 Jahre später, lebte der Geist der Cool Runnings in Pyeongchang weiter. Mit Jazmine Fenlator-Victorian und Carrie Russell gingen erstmals zwei jamaikanische Damen im Bobfahren an den Start und belegten den 19. und somit vorletzten Rang, knapp 0,10 Sekunden hinter Österreich II.

Was hat der Auftritt von jamaikanischen Bobfahrern, die überhaupt nichts mit Schnee oder Eis am Hut haben, für einen symbolischen Wert? Es bedeutet, dass Länder der Dritten Welt, den Respekt und die Anerkennung einfordern, den unser Einer tagtäglich genießt und das ist eine starke Botschaft, die sich nicht mit Medaillen messen lässt. Aber das ist nur meine demütige Einschätzung.

lg
Clemens

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