Rezension: So gewagt ist „STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI“

Kritiker lieben ihn. Fans sind da weniger euphorisch. Doch woran liegt das? Star Wars: Die letzten Jedi ist nicht mal eine Woche in den Kinos und hat schon so manch hitzige Diskussion verursacht. Doch woher kommen diese gemischten, teils negativen Reaktionen? Dem will ich heute auf den Grund gehen und meine eigenen Gedanken mit euch teilen. Seid schon mal vorgewarnt, ich werde einzelne Plot Points behandeln, also seid euch klar, dass ich voll in Spoilers eintauchen werde.

Spoilerwarnung!

Star Wars: Die letzten Jedi knüpft ziemlich direkt da an, wo Das Erwachen der Macht geendet hat. Die Erste Ordnung hat die neue Republik vernichtet, was den Widerstand, unter Führung von General Leia Organa, zur Flucht vor der faschistischen Fraktion zwingt. Währenddessen muss Rey feststellen, dass der legendäre Jedi Luke Skywalker, nicht ganz ihre Erwartungen erfüllt. Anstatt ihr willentlich zu helfen, so wie Rey es sich gedacht hätte, weigert sich Luke sie zu trainieren. Die vergangenen Ereignisse, rund um Ben Solo und der Zerstörung seiner neu aufgebauten Jedi-Akademie, haben den sonst so starken Luke gebrochen. Man erfährt, dass er seit einiger Zeit die Macht nicht mehr benutzt und die Lehren der Jedi, als gescheitert betrachtet. Alleine dieser radikale Schwenk in Lukes Charakter, scheint vielen Fans ein Dorn im Auge zu sein. Gerade weil Luke vielen von uns, am Ende von Rückkehr der Jediritter, als ultimativer Jedi, der der dunklen Seite immer widerstanden hat, in Erinnerung geblieben ist. Ich kann verstehen, dass viele das als „out-of-character“, also Taten und Aktionen, die nicht der Logik des Charakters entsprechen, ansehen. Aber für mich ist es ein Risiko, das Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson, das sich ausgezahlt hat und sich gut in die Themen und Motive des Films einreiht.

Wenn wir schon von Risiken sprechen… Star Wars: Die letzten Jedi hat einige kreative Entscheidungen getroffen, die man so in Star Wars noch nicht gesehen hat, was auch für Irritationen bei Fans gesorgt hat. Seit gut zwei Jahren, nachdem Episode VII in die Kinos gekommen ist, wurde wild über unbeantwortete Fragen, die der Film aufgeworfen hat, spekuliert. Die zwei essentiellen Fragen waren „Wer sind Reys Eltern?“ und „Wer ist Snoke?“, die durch mehrere populäre Theorien versucht wurden zu beantworten. Die einen meinten Rey sei Lukes Tochter, oder eine Nachfahrin von Obi Wan Kenobi und andere mutmaßten, dass Rey ein Sprössling des Imperators sein könnte. In Bezug auf Snoke, hat auch mich dessen Hintergrundgeschichte interessiert, was mich auf gut durchdachte (Snoke ist Darth Plagueis, Meister von Darth Sidious, der es geschafft haben soll den Tod zu umgehen) und weniger glaubwürdige Theorien (Snoke ist Mace Windu) stießen ließ. Beide Fragen wurden in Die letzten Jedi, nicht zu jedermanns Zufriedenheit, beantwortet. Reys Eltern sind einfach nur ein paar Trinker, die sie zurückgelassen haben. Ich weiß, manche sagen, dass Kylo Ren gelogen haben könnte, was mich kurioserweise daran erinnert, wie auch nach der Veröffentlichung von Das Imperium schlägt zurück viele behaupteten Darth Vader habe gelogen und sei gar nicht Lukes Vater. Doch für mich ist das Kapitel abgeschlossen. Es gibt keine größere Bedeutung von Reys Talent in der Macht und das macht es erfrischend neu. Star Wars hat schon immer darunter gelitten, dass man sich auf eine kleine Gruppe von Leuten konzentriert hat, die sich kannten oder miteinander verwandt waren, was diese riesige, weit entfernte Galaxie, immer sehr klein erscheinen ließ. Und bei Rey ging es nie darum herauszufinden, wer ihre Eltern sind, sondern damit abzuschließen und ihren Platz in der Welt zu finden.

Sprechen wir über Snoke. Zum Ende des zweiten Aktes kommt es zum absoluten Höhepunkt in der Geschichte, meiner Lieblingsszene im Film. Rey ergibt sich der ersten Ordnung, in der Hoffnung Kylo Ren dazu zu bewegen, sich doch noch der hellen Seite anzuschließen, um so den Krieg zu gewinnen. Warum glaubt sie das? Quer durch den Film verbinden Rey und Kylo gemeinsame Konversationen über die Macht, wo Rey den Konflikt, der ihn offensichtlich erfüllt, spürt. Wir erfahren, dass Snoke diese Verbindung hergestellt hat, um Rey oder Luke dadurch hervorzulocken. Diese Szene erinnert an Rückkehr der Jediritter, als Luke sich ergab und den Imperator traf. Auch wenn sich diese Szenen sehr ähneln, nehmen sie doch einen anderen Ausgang. Kylo tötet Snoke, an Stelle von Rey und bittet sie sich ihm anzuschließen. Es ist der Moment, in dem sich Rey endgültig für die helle Seite entscheidet und sich Ren widersetzt. Kylo hatte diesen Moment, als er sich für die Dunkelheit entschied und seinen Vater Han Solo tötete. Luke widersetzte sich der dunklen Seite, als er sich weigerte seinen Vater Darth Vader zu töten. Und Anakin hatte diesen Moment, als er Darth Sidious vor Mace Windu beschützte. Snoke sterben zu sehen war eine echte Überraschung. Besonders, da er vor allem in Die letzten Jedi, wie ein formidabler Bösewicht daherkam und immense Kräfte demonstrierte. Woher kam Snoke? Warum ist er so mächtig? Weshalb ist sein Körper so entstellt? Alles interessante Fragen, die gutes Material für die Zukunft abgegeben hätten, doch das scheint wohl nix zu werden. Auch für mich ist das ein bisschen ärgerlich, doch Snoke hat seinen Zweck in der Geschichte erfüllt. Er war ein Hindernis, das Kylo Ren, welcher der wahre Antagonist der neuen Trilogie ist, beseitigen musste, um sein volles Potential auszuschöpfen.

Ich sehe die vielen negativen Reaktionen aus der Fanbase, als eine Art Enttäuschung über die Beantwortung dieser beiden Mysterien. Die Erwartungen, monumentale Offenbarungen über Charaktere serviert zu bekommen, scheint so groß geworden zu sein, dass die elegante Lösung, die Regisseur Rian Johnson fand, niemals allen gefallen konnte. Mir hat es gefallen, auch wenn ich gerne mehr über Snoke erfahren hätte.

Aber zum Abschluss möchte ich noch die erzählerische Schönheit von Die letzten Jedi erläutern. Mehrere Themen und Motive durchziehen den ganzen Film und treffen auf alle Charaktere zu. Für Rey, kylo Ren und Luke geht es darum die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen und den Weg zu gehen, den sie alle für sich gewählt hatten. Es geht auch darum, zu sehen, wie die „alte Garde“ den Ball an die neuen Spieler abgibt. Im Herzen des Films steht eine tiefe Weisheit über Mentorschaft, die passend vom Machtgeist Meister Yodas vermittelt wird: „We are what they grow beyond, that is the true burden of all masters.”

Lg
Clemens

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