Die Entstehung von „UNVERWÜSTLICH“

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass ich meinen Debütroman, „UNVERWÜSTLICH“, zum ersten Mal gedruckt und gebunden in den Händen hielt.Damals hat sich ein seltsames Gefühl von Erleichterung in mir ausgebreitet, als ob eine schwere Prüfung endlich überstanden ist. In vielerlei Hinsicht war es auch eine Prüfung für mich, die an manchen Tagen unüberwindbar schien. Denn ein Buch zu schreiben ist aus psychischer bzw. geistiger Sicht schon schwer genug, doch körperlich braucht man gewisse Voraussetzungen, die ich leider nicht erfülle. Es mag ja sein, dass es ganz ‚einfach‘ wäre, jemanden das Buch zu diktieren, wenn man es selbst nicht schreiben kann, ein Schritt, den ich dann auch gewagt habe. Aber ‚einfach‘ ist es eben nicht, einem völlig Fremden seine persönlichsten Gedanken zu diktieren, die ja durchaus in „UNVERWÜSTLICH“ von mir zu finden sind. Ich geb’s auch gerne zu: ich bin kein Mensch, der offen und unbeschwert über seine Gefühle oder Gedanken redet, daher war es eine besondere Herausforderung für mich. Doch zum Glück hab ich mittels eines Inserats, die perfekte Kandidatin gefunden, eine junge Studentin, die wöchentlich zu mir nach Hause kam und verlässlich meine Worte aufschrieb. Eine Erfahrung, die es mir auf dem Weg zur Veröffentlichung meines ersten Romans um einiges leichter machte.

Doch der Prozess des Schreibens, ist nutzlos, ohne eine grundlegende Idee in Petto zu haben. Meine Idee war es einen körperlich behinderten Hauptcharakter zu erschaffen, der durch puren Zufall Superkräfte bekommt und auch noch von all seinen Einschränkungen geheilt wird. Der Aspekt von zwei Personen, die sich an unterschiedlichen Enden auf der selben Linie befinden, hat mich immer fasziniert. Der Kniff ist nur, dass Aaron, ich hab den Hauptcharakter nach unserem ersten Hund benannt, selbst an beiden Enden, zu verschieden Zeitpunkten im Handlungsverlauf steht. Wer sich jetzt denkt „Wos red‘ der Koffer do?“, dem versuch ich es genauer zu erklären. Was ist das interessanteste Element an Spider-Mans Entstehungsgeschichte? Da mögen die Meinungen jetzt auseinandergehen, aber für mich ist es, wie er lernt mit seinen neuentdeckten Kräften umzugehen. Er hat sich über Nacht von einem 0815-Nobody, in einen beliebten Superhelden verwandelt, der New York gegen das Böse verteidigt. Dieses Konzept wollte ich noch etwas weiter ausreizen und da sind wir auch wieder bei der Linie mit den zwei Enden. Stellt euch die Linie als Gerade vor. Sie hat einen Anfangs- und einen – Endpunkt. Dazwischen gibt es viele andere Punkte, die in meinem Gedankenspiel die Fülle aller Menschen auf dieser Welt darstellen. Der Anfangspunkt ist der körperlich schwächste und der Endpunkt der körperlich stärkste Mensch der Welt. Zu Beginn der Geschichte ist Aaron der Anfangspunkt, der Inbegriff von körperlicher Schwäche. Doch im Laufe der Geschichte erhält er Superkräfte, die ihn auch noch von allen Einschränkungen heilen und wandelt sich zum Endpunkt, der Manifestation von menschlicher Stärke. Diese enorme Umstellung von Aaron hat eine irrsinnige Faszination auf mich ausgewirkt und ich wollte sie unbedingt genauer unter die Lupe nehmen. Dabei konnte ich natürlich meine eigenen Gedanken und Vorstellungen einbringen, da ich zumindest die Erfahrung, der Anfangspunkt auf der Linie zu sein, bereits gemacht habe.

Der Rest war eigentlich halb so wild. Ich musste nur die Handlung um diese Idee herum aufbauen, was einiges an Gehirnmasse, von der ich sowieso nicht allzu viel hab, erfordert hat und mich in manchen Momenten auch verzweifelt zurückließ, weil dieses oder jenes keinen Sinn ergab. Aber ich hab mich trotzdem durchgerungen meinen ersten Roman fertigzustellen, „UNVERWÜSTLICH“. Und das alles hat seinen Anfang mit einer kleinen Idee von einer Linie und ihren zwei Enden genommen. Wen dieses Konzept interessiert, den kann ich nur wärmstens den Film „UNBREAKABLE“ mit Bruce Willis und Samuel L. Jackson empfehlen, der dieses Thema auch ins Zentrum stellt. Am Titel könnt ihr ja unschwer erkennen, dass ich die Inspiration für meine Grundidee genau dort her habe.

Apropos Inspiration… Welche Stoffe haben mich am meisten während des Schaffungsprozesses beeinflusst? Das ist eine Frage, die jedem Künstler, egal ob Autor, Schauspieler, Regisseur oder Musiker, gestellt wird. Bei George Lucas z.B. war es das Science-Fiction Theater der 50er Jahre. In seiner Kindheit verfolgte er wöchentlich die Abenteuer von Flash Gordon und Buck Rogers, beides TV-Serien, die Lucas als Vorbild nahm und in denen sich Elemente finden lassen, die heute jeder mit „STAR WARS“ assoziiert. Ich glaub es ist kein Geheimnis zu sagen, dass „STAR WARS“ immensen Einfluss auf Science-Fiction Autoren und Filmemacher hatte. Auch ich zähle mich da dazu und bin einer derjenigen, der die Originaltrilogie bestimmt über ein Dutzend Mal gesehen hat und trotzdem bei der Müllpresseszene immer noch Schweißhände vor Aufregung bekommt. Der Einfluss der Science-Fiction Saga auf „UNVERWÜSTLICH“ ist nicht zu leugnen und jeder der das Buch gelesen hat wird das bestätigen können. Eines der Elemente, was besonders stark Eindruck auf mich machte, ist das Angebot an starken Frauenfiguren im Star Wars Universum. Das muss man sich mal vorstellen: Star Wars kam 1977 in die Kinos, eine Zeit, in der Darstellungen von Frauen in Führungspositionen quasi nicht existent waren. Doch Prinzessin Leia ist integraler Part der Geschichte und nimmt im Film sogar die Rolle eines Generals der Rebellion ein. Anstatt den männlichen Hauptcharakteren schöne Augen zu machen, ist sie immer auf die Mission bedacht. Genauso wollte ich arbeiten. Fokussiert und realistisch in der Darstellung von Frauen. Sind wir uns doch ehrlich… Rey aus Episode VII ist doch unendlich Mal interessanter, als alle Frauenfiguren von Nicholas Sparks zusammen. Aber natürlich gibt es noch andere Inspirationen. Mir fällt da noch die utopische Welt von „STAR TREK“ oder der Witz und Charme der Marvel-Superheldenfilme ein. Es gibt so viel Inspiration in der Welt, in der ich lebe. Manchmal ist es sogar eher hemmend als förderlich. Aber besser zu viel Inspiration haben, als zu wenig. Hab ich recht.

Der wichtigste Vorsatz für „UNVERWÜSTLICH“ von Anfang an war es starke Frauenfiguren zu präsentieren. Ich wollte nicht einfach nur ‚heiße Bräute‘ liefern, die einzig und allein der Charakterentwicklung ihrer männlichen Gegenstücke dienen. Ich wollte real wirkende Frauen mit realen Eigenschaften in meinem Buch und nicht einfach nur Abziehbilder von Wunschvorstellungen, die wir Männer vom weiblichen Geschlecht leider manchmal haben. Ob mir das gelungen ist, müssen andere beurteilen, aber ich bin überzeugt genug zu sagen, dass ich glaube, das ganz gut geschafft zu haben.

Genug geschwafelt. Das war mein erster Blogeintrag auf meiner eigenen Website und ich hoffe es hat euch gefallen! Ich wollte euch einfach mal einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen lassen und euch zeigen, was mich während des Schreibens von “ UNVERWÜSTLICH“ bewegt hat, was meine Gedanken dahinter waren, usw. Falls euch irgendwas dazu einfällt, lasst gerne einen Kommentar stehen und ich versuche euch zeitnah zu antworten.

lg
Clemens

3 Gedanken zu „Die Entstehung von „UNVERWÜSTLICH“

  1. Ilse Neger

    Lieber Clemens, als Science Fiction Fan musste ich dein Buch natürlich sofort lesen, als ich davon gehört habe. Es hat mich so gefesselt, dass ich es in einem Stück – zum Glück gab es da grad einen verregneten Samstag – durch gelesen habe. Herzlichen Glückwunsch! Ich freu mich auf dein nächstes Buch!
    Lg Ilse

    Antworten
    1. Clemens Blaim Beitragsautor

      Liebe Ilse!
      Danke für die netten Worte! Freut mich, dass du Spaß beim Lesen gehabt hast. Einfach immer wieder auf die Website schauen, dann bleibst du auf dem Laufenden von meinen Projekten 🙂
      lg
      Clemens

      Antworten
  2. Pingback: Auf der Suche nach einer Marketingstrategie | Clemens Blaim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.